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Gedanken zum Medium der Fotografie

von Thomas Lange

Trotz der Tatsache, dass unsere Welt infolge der modernen Kommunikationsmöglichkeiten und der Digitalfotografie in Bildern förmlich ertrinkt und zugemüllt wird, haben gute Fotos weiterhin ihren Stellenwert. Egal, ob Landschafts-, Straßen-, Porträt-, Architektur- oder Sportfotografie – Fotos können neugierig machen, eine Geschichte erzählen, berühren oder auch dokumentieren.
Mich hat schon immer die Landschafts- aber auch die Straßenfotografie interessiert. Mit der Straßenfotografie ist es schwierig geworden. Sobald sich nur wenige Personen auf dem Foto befinden, benötigt man zum Zwecke der öffentlichen Darstellung oder Publikation von diesen Menschen zur Wahrung der Persönlichkeitsrechte eine schriftliche Einverständniserklärung. Das macht es schwierig und mühsam. Die großen Zeiten der Straßenfotografie mit ihren Geschichten und der unverfälschten spontanen Darstellung von Charakteren ist in meinen Augen eigentlich vorbei.
Somit habe ich mich von Anfang an vorwiegend der Landschaftsfotografie verschrieben. Das lag nahe, weil ich in meinem bisherigen Leben sehr viel als Bergsteiger, Wanderer oder mit dem Kanu in zum Teil sehr entlegenen Regionen unterwegs war.
Oft ist die Natur dort, wo sie schwer erreichbar und von Menschen noch wenig beeinflusst ist, besonders schön. Wenn man so viel unterwegs ist, erlebt man unglaublich schöne Landschaften und tolle Lichtverhältnisse, hat aber auch interessante Begegnungen, denn in den meisten der besuchten Regionen leben Menschen oft noch im Einklang mit ihrer traditionellen Kultur, Weltanschauung und der Natur. Somit beschränken sich meine Fotoarbeiten nicht nur auf das Abbilden von Landschaften oder deren Details. Besonders in Afrika, wo ich viele Länder besucht habe, sind es die Menschen, die interessieren. Zeugnis davon ist mein zweisprachig verfasster Bild/Text-Band „Unterwegs in Afrika – Begegnungen und Landschaften“, welcher über mich bezogen werden kann.

Fotos von Menschen in ihrer Umgebung, wie z.B. bei der Straßenfotografie, müssen keinesfalls perfekt sein, aber sie müssen eine Geschichte beinhalten und zur Phantasie anregen. Fotos von Landschaften sollten fast immer eine gewisse Perfektion aufweisen, um vorzeigbar zu sein. Beim Ansehen eines Landschaftsfotos sollte der Betrachter ein Gefühl für die Landschaft entwickeln können. Oft gelingt das dann besonders gut, wenn sich der Fotograf auf Weniges und Wesentliches fokussiert. Nach wie vor gilt ohnehin die Einschätzung, dass auf den meisten Fotos die gemacht werden, zu viel zu sehen ist. Durch das Beschränken auf Details, gelingt es oft gut, dem Betrachter ein Gefühl für eine Landschaft zu vermitteln. Wenig sagt oft viel, wie schon der berühmte Pionier des Landschaftsfotografie, Ansel Adams, gezeigt hat.
Das ist auch meine Vision vom Fotografieren. Bei Landschaftsfotos auf Reisen braucht man Glück. Man hat meist nicht die Zeit, sich ein Foto, z. B. durch Warten auf das richtige Licht, zu erarbeiten. Man muss die Kamera immer dabei haben, schnell sein und auf Zufälle vertrauen. Diese wurden mir oft geschenkt. Folgerichtig hieß eine meiner ersten Fotoausstellungen „Der geschenkte Augenblick – Zur richtigen Zeit am richtigen Ort“. Manchmal war es aber auch ziemlich frustran. Zum Beispiel dann, wenn man tagelang nur schlechtes Wetter hatte oder wenn man die 6-7 kg schwere Fotoausrüstung mit auf einen Viertausender geschleppt hat und mit keinem einzigen wirklich guten Bild zurückgekommen ist.

Wenngleich ich nie Touren mit dem vordergründigen Ziel des Fotografierens gemacht habe, so hat doch die Fotografie mit zunehmendem Alter auf meinen Reisen einen immer größeren Stellenwert erhalten. Man könnte vieles sagen zu dem, was den Reiz des Fotografierens ausmacht. Für die meisten Menschen ist es sicher die Möglichkeit, Erinnerungen zu schaffen und andere am Erlebten teilhaben zu lassen. Für mich ist der wichtigste Punkt die Einmaligkeit des Augenblicks. Genau dieses Motiv, bei genau diesem Licht, in genau diesem Bruchteil einer Sekunde und meist nicht genauso wiederholbar. Und das dann noch im Kontext zum Fotografen.

Der französische Fotograf, Schauspieler und Maler Henri Cartier-Bresson hat hierzu passend folgende Feststellung getroffen:

„Das eine Auge schaut weit geöffnet durch den Sucher, das andere, das geschlossene, blickt in die Seele.“

Bilder entstehen also überwiegend im Kopf.